SCHNEE                                                                                                                       erscheint im September 2020

                                                                                            

Peter Mathis - Ein Porträt von Tom Dauer

 

Auszug aus dem Buch....

Machen wir ein Gedankenexperiment. Stellen wir uns einen Schneekristall vor, eines dieser wunderbaren Gebilde, entstanden in irgendeiner Wolke bei einer Temperatur unter null Grad Celsius. Um einen Staubpartikel, eine Spore oder eine Bakterie herum hat sich Wasserdampf niedergeschlagen. Nun ist es so kalt, dass die Wassermoleküle am Kondensationskern nicht flüssig bleiben, sondern sofort kristallisieren. Es verbinden sich immer mehr Moleküle, der Kristall wächst und wächst in einer Weise, die die gegenseitige Abstoßung der Kristalle verringert, die gegenseitige Anziehung so weit wie möglich erhöht. So entstehen die vielen wunderschönen symmetrischen Formen, in denen Schneeflocken vom Himmel zur Erde fallen. Dort bleiben sie liegen und werden Teil eines größeren Ganzen, sie hüllen die Berglandschaft ein und formen sie, bringen Kontraste zur Geltung.


Es verwundert nicht, dass der Fotograf Peter Mathis, der sich der SchwarzWeiß-Fotografie verschrieben hat, den Schnee liebt. Schnee gibt der Landschaft Struktur. Genau wie das richtige Licht, auf das der Fotograf oft stundenlang wartet, frierend und zitternd womöglich, denn es ist Winter. Doch das Warten lohnt sich zumeist, denn Schnee und Licht schaffen Kompositionen, die in keiner anderen Zusammensetzung entstehen könnten.

Würden wir den Weg der Schneeflocke nun rückwärts verfolgen, vom Ende zum Anfang, könnten wir zunächst Ursachen und Wirkungen eindeutig erkennen. Wir könnten genau sagen, warum die Schneeflocke wann und wo den einen Weg genommen hat und nicht einen anderen. Sind wir aber angekommen in der Wolke, in der die Schneeflocke einst entstand, dann ist all dies überhaupt nicht mehr so eindeutig und klar, weil wir bemerken, dass es eine unendliche Anzahl von Möglichkeiten gibt, in welche Richtung und wohin die Schneeflocke unterwegs sein könnte. Oder anders gesagt: Dass Peter Mathis heute als einer der kreativsten Bergfotografen gilt, dass er, auch wenn er sich selbst nie als solchen bezeichnen würde, ein Künstler ist, der das Medium Fotografie zu seiner Ausdrucksform gewählt hat, ist mindestens ebenso das Ergebnis vieler Zufälle wie eines Talents, das der Fotograf so beschreibt: ...
           

160 Seiten,   82 Photographien in Duotone

 

Alle Photos von Peter Mathis.     Texte von Tom Dauer & Peter Mathis       Herausgeber: PRESTEL Verlag

 

Erhältlich im Buchhandel.